Wissenswertes

 

Etiquette Article:
The Do's and Don'ts of Inviting and Accepting
by Ney Melo


Übersetzung des (Original-) Textes:



Etiquette

Was man beim Auffordern und beim Ablehnen einer Aufforderung tun und besser lassen sollte

Ich denke schon lange daran, diesen Artikel zu schreiben, nachdem ich bei der Milonga viele lustige, aber auch weniger lustige Erfahrungen gemacht habe.
Viele von uns sind zu sehr darauf konzentriert, die Schritte des Tangos zu lernen und dann kommen wir zur Milonga und wissen nicht, dass es bestimmte ungeschriebene Regeln gibt, wie man auffordert, eine Aufforderung annimmt oder ablehnt. Während in Buenos Aires der Cabeceo, d.h. jemanden mit Augenkontakt oder einem Nicken zum Tanz aufzufordern, noch Gang und Gäbe ist, leben wir in Nordamerika und müssen deshalb unsere Regeln und Bräuche anpassen. (Es wäre natürlich großartig, wenn der Cabeceo hier angewendet würde, weil es Männern, vor allem aber auch Frauen die Möglichkeit gibt, mit den Partnern zu tanzen, die sie bevorzugen. Aber tatsächlich funktioniert der Cabeceo nur, wenn ihn alle anwenden.) Deshalb habe ich eine Liste von Regeln zusammengestellt, die, wenn man sich auch nur in Teilen daran hält, die Milonga für Männer und Frauen gleichermaßen zu einem größeren Genuss macht.


1) Die Regel des „Ersten und Letzten“

Der erste und der letzte Tango der Milonga-Erfahrung hat eine große Bedeutung für den Tänzer oder die Tänzerin. Im Idealfall will man gleich richtig beginnen, d.h. man will mit einem fähigen und eleganten Partner tanzen, um sich auf die lange Tanznacht, die bevorsteht, einzustimmen. Aber genauso wie ein guter Partner einen auf die nächst höhere Ebene hebt, wird ein schrecklicher Partner einen zurückwerfen. Es gibt unter den Milongueros eine Redewendung, die besagt, dass es zwei gute Partner nacheinander braucht, um die Auswirkungen eines schlechten auszugleichen. Deshalb sollte man vorsichtig sein, wen man als ersten Partner akzeptiert oder auffordert. Die letzte Tanda (eine Gruppe von Tangos) ist ebenfalls von Bedeutung. In Buenos Aires sagt man, dass man normalerweise die letzte Tanda mit einem Liebhaber oder einem potentiellen Liebhaber tanzt. Diese Regel sollte man etwas weniger streng auslegen und ich denke, dass man die letzte Tanda, falls nicht anders vereinbart, mit jemand tanzen sollte, der eine bestimmte Bedeutung für einen hat. Falls man single ist, hat man die freie Auswahl, mit wem man tanzt. Wenn man aber mit jemandem tanzt, von dem man weiß, dass es bei der Milonga jemanden gibt, der wichtig für ihn ist und die letzte Tanda ist angesagt, dann ist es eine nette und höfliche Geste, denjenigen zu fragen, ob er nicht mit dieser Person tanzen möchte. 


2) Kein Babysitting

Eine typische Szene: Eine Dame sitzt bei einer Milonga und wird von einem Herrn angesprochen, der sie dann zum Tanzen auffordert. Anstatt dies sofort abzulehnen, sagt sie: Nein, jetzt nicht, sie sei müde, mache eine Pause, warte auf einen Freund etc. Anstatt wegzugehen, entscheidet sich der Herr, sich neben sie zu setzen und darauf zu warten, dass sie bereit ist, mit ihm zu tanzen. Dieser Mann hat gerade das getan, was ich „Babysitting“ nenne. Ich habe sowohl Damen als auch Herren gesehen, die sich so „teuflisch“ benommen haben. Wenn jemand nein sagt, bedeutet dies, dass man sich von ihm/ihr für eine bestimmte Zeit fernhalten soll. Dies führt mich zur nächsten Regel. 


3) Die Dauer des „Nein“

Nach Diskussionen mit vielen Milongueros und Milongueras bin ich zu folgendem Schluss gekommen: „Nein“ bedeutet „Nein für eine kurze Zeit“. Wenn die Aufforderung abgelehnt wurde, kann man dieselbe Person nicht am Anfang der nächsten Tanda wieder auffordern. Nach mindestens zwei, fünf oder vielleicht sogar mehr Tandas kann man es in Betracht ziehen, diese Person nochmals zu fragen. Sei kein Stalker. Oft wird jemand, der anfänglich die Aufforderung zurückgewiesen hat, Dich später suchen, um den Tanz dann einzufordern, wenn sie dazu bereit ist – natürlich nur, wenn er/sie beim ersten Mal wirklich müde war. 


4) Die Strafbank

Jemanden zurückzuweisen hat eine bestimmte Konsequenz. Die Regel ist, dass man nach einer Ablehnung diesen Tango nicht mit jemandem Besseren, der vorbeikommt, tanzen darf. Man muss zumindest bis zum nächsten Lied warten oder bevorzugt sogar bis zur nächsten Tanda. Man kann diese Minuten so betrachten, als ob man beim Eishockey auf der Strafbank sitzt. Manchmal ist dies eine zweischneidige Sache, denn wenn man sozusagen auf der Strafbank sitzt, kann gerade endlich der wirklich hervorragende Tänzer, der einen sonst nie auffordert, kommen. Man weiß, dass man diese Chance vielleicht niemals wieder bekommt, aber wenn man annimmt, steht man in den Augen der Person, die zuerst gefragt hat, wie ein Trottel da (und es könnte passieren, dass danach niemand mehr fragt). Es gibt Situationen, in denen man einfach nicht gewinnen kann. 


5) Sich Dazwischen Drängen 

Ich habe alte Schwarzweißfilme gesehen, wo Clark Gable oder Errol Flynn sich zwischen die junge schöne Hauptdarstellerin des Filmes und ihren lahmen Partner gedrängt haben, den das Publikum schon nach Sekunden vergessen hat. Aber, das passiert nur im Film. Ich bin mir ziemlich sicher, dass in allen Milongas in sämtlichen Ländern der Welt „Dazwischen Drängeln“ verboten ist. Als ich noch ein Anfänger war, fragte mich jemand freundlich, ob er übernehmen könne. Ich habe ihn und seine Familie heimlich und freundlich verflucht. Das zeigt, wie ernst es ist. Aufforderungen finden während der Cortinas (der Minute von Hintergrundmusik, die zwischen zwei Tandas gespielt wird) statt und nicht wenn zwei Tänzer stehen und sich zwischen den Liedern in einer Tanda unterhalten. Punkt. 


6) Die Tanda 

Ein DJ wird normalerweise drei oder vier Lieder desselben Orchesters oder des gleichen Stils spielen, worauf dann eine einminütige Cortina folgt. Diese Folge wird Tanda genannt. Nur wenn wir aufhören wollen, mit unserem Partner zu tanzen, sagen wir „Danke“. Mache nicht den Fehler, Dich nach jedem Tango zu bedanken. Versuche bis zum Ende der Tanda zu warten. Tut man das nicht, wird damit eine Botschaft ausgedrückt. Hier folgt eine kurze Zusammenfassung dieser Botschaften: 

Wir haben vier Lieder getanzt: Das war schön, ich habe es genossen! Lass es uns bald noch einmal tun etc.

Wir haben drei Lieder getanzt: Es war ok. Entschuldige, meine Füße tun weh. Hoppla, meine Mitfahrgelegenheit bricht auf, ich muss los.
 
Wir haben zwei Lieder getanzt: Ich habe Dir lange genug einen Gefallen getan! Du musst mehr Stunden nehmen! Ich dachte, der erste schlechte Tango sei mein Fehler gewesen, aber nun erkenne ich, es ist Deine Schuld.

Wir haben ein Lied getanzt: Das passiert doch nicht wirklich! Vielleicht solltest Du Dich hinsetzen und für eine Weile zuschauen. Bitte fordere mich auf dieser Milonga nicht nochmals auf!

Ich glaube fest daran, dass wenn Frauen ihre Macht einsetzen, Aufforderungen abzulehnen und Botschaften auszusenden, die Männer anfangen werden, ihr Tanzen zu verbessern. Es muss ein System gegenseitigen Gleichgewichts und Kontrolle sein. Wenn wir mittelmäßigen Männern erlauben mit großartigen Frauen zu tanzen und andersherum, warum sollten sie besser werden.
Ich erinnere mich an einen Streit, den ich vor langer Zeit mit einer Freundin hatte. Sie war verärgert, weil ein schlechter Tänzer sie für eine ganze Tanda grob behandelt hatte und dafür gesorgt hatte, dass sie schlecht aussah und sich auch so fühlte. Ich war Zeuge des Ganzen und mochte nicht, was dieser Tänzer tat, aber ich konnte es auch nicht verstehen, dass meine Freundin zu nett war und dieses Gemetzel nicht vorzeitig beendete. Meine Damen, bitte benutzen Sie Ihren Einfluss, um zu schlechtem Tanzen nein zu sagen. Es ist allemal besser, die ganze Nacht sitzen zu bleiben, die Musik und ein gutes Gespräch zu genießen, als über den Milongaboden geschleppt zu werden, wie einst Hektor von Achilles, nachdem er im Film Troja von ihm erschlagen wurde.
In meiner Anfangszeit des Tango wurde ich oft von guten Tänzerinnen abgelehnt. Ich nahm es nie persönlich, sondern es half mir, besser zu werden. 

Ich sage nicht, dass man mit Anfängern nicht tanzen sollte. Jeder sollte ein- oder zweimal auf der Milonga mit Anfängern tanzen und es als Dienst am Nächsten betrachten, damit sie sich willkommen fühlen. Aber es gibt einen Unterschied zwischen einem Anfänger und einem schlechten Tänzer, der es einfach nicht begreift. Auf jeder beliebigen Milonga gibt es einige Tänzer, die schon seit langem dabei sind und ungeschickt mit den Damen umgehen, aber nie den Antrieb verspüren, sich zu verbessern, weil sie alle Tänze, die sie wollen, ohnehin bekommen. 


7) Sei nett

Ablehnung ist schwer zu akzeptieren. Leicht können Gefühle verletzt werden. Bitte ziehe das in Betracht, wenn Du jemanden abweist. Es kann helfen, so an die Sache heranzugehen, als ob Du Dich von jemandem trennen willst, indem Du sicherstellst, dass keine Gefühle verletzt werden, ohne unberechtigte Hoffnungen auf eine Wiedervereinigung zu machen. Zum Beispiel: 

Entschuldigung, es liegt nicht an Dir, es liegt an mir. 
Also, Du erwischst mich jetzt auf dem falschen Fuß, ich möchte für ein Weilchen allein sein.
Ich möchte Dich nicht unglücklich machen.
Du verdienst es besser.
Ich weiß, dass wir gestern getanzt haben, aber gestern ist gestern und heute ist heute. 

Für den Abgewiesenen: Nimm es einfach hin und gehe weg. Es hilft nicht zu antworten:

Aber warum?
Erkläre mir, warum.
Nenne mir mir einen guten Grund
Ich kann mich ändern.
Also, ich bleibe ganz in der Nähe. Lass mich wissen, wenn Du Deine Meinung änderst.
Aber ich dachte, wir waren gut zusammen.
Du nervst. 


8) Partnertausch

Dies bedeutet, dass Männer (Führende) oder Frauen (Geführte) die Tanda verfrüht abbrechen und mit einem anderen Partner beenden. Das ist sehr unschön. Was es noch schlimmer macht, ist die Tatsache, dass man um dies zu tun, noch während man mit dem ursprünglichen Partner tanzt mit dem anderen Augenkontakt aufnehmen und in Verhandlungen treten muss. Ich habe solche Dinge schon auf Milongas gesehen und alles, was ich dazu sagen kann, ist, es ist sehr, sehr zweifelhaft. Wie ich schon in Regel 5 ausgeführt habe: Aufforderungen zum Tanz sollten während der Cortinas ausgesprochen werden.


9) Die „Tanz jetzt mit mir“-Karte

Ab und zu werde ich von einer Dame zum Tanz aufgefordert und ich lehne höflich ab, weil ich gerade im Begriff bin, etwas zu tun, was mich vom Tanzen abhält (ich hole mir etwas zum Trinken, ich mache eine Pause, ich bin auf dem Weg, mir ein neues Hemd anzuziehen). Dann geschieht es, dass die Dame die „Tanz jetzt mit mir“-Karte zieht, indem sie sagt, „aber ich gehe in fünf Minuten“. Das verursacht bei mir ein Unbehagen, denn ich fühle mich verpflichtet, mit ihr jetzt und sofort zu tanzen. Was es noch schlimmer macht, ist, wenn ich dem Druck nachgebe und mit der Person tanze und sie die Milonga nicht verlässt! Ich denke, viele Leute werden mir zustimmen, dass ich nach dem Benutzen der „Tanz jetzt mit mir“-Karte der Person besser nicht an der Garderobe begegne, wenn ich am Ende der Nacht gehe. 

Widerstehe auch dem Zwang, exzessive „Gewalt“ einzusetzen, wenn Du zum Tanz aufforderst, d.h. Du ergreifst das Zielobjekt und zerrst ihn oder sie auf das Parkett, während Du rufst: Lass uns tanzen! Du solltest Deinem Gegenüber eine echte Wahl lassen, höflich und zivilisiert sein! Tanzen macht keinen Spaß, wenn der Auffordernde (Mann oder Frau) einen unter Druck setzt. Menschen wollen aus Vergnügen tanzen, nicht aus Pflichtgefühl. 


10) Die Barfuß-„Weiße Flagge“

Weil Ablehnung manchmal schwer anzunehmen ist, haben sich einige Damen eine Methode ausgedacht, um den Männern begreiflich zu machen, dass sie jetzt nicht zur Verfügung stehen: Sie ziehen ihre Schuhe aus. Dies dient als Beweis, dass sie jetzt wirklich Pause machen, falls sie irgendjemand fragt. Alles, was sie dann noch tun müssen, ist ihren nackten Fuß = Weiße Flagge zu heben. Ihre Fußballen können sich von den vier Zoll (10,16 cm) hohen Absätzen erholen und sie werden von potentiellen Tänzern nicht belästigt. Auf der anderen Seite können sie einen Mann auch glücklich machen, falls sie sich entscheiden, doch zu tanzen und sie sagen: Lass mich nur schnell für Dich die Schuhe anziehen!


11) Sei aufmerksam

Achte auf die Körpersprache Deines Partners, wenn Du dabei bist, ihn um einen Tanz zu bitten. Es gibt nonverbale Zeichen, die Du verstehen lernen solltest. Meine Herren, wenn Ihr auf eine Dame zugehen, sie Dich sieht und sich schnell abwendet, an ihrem Schuhband herumnestelt und endlos in ihrer Tasche kramt, bedeutet dies, dass sie nicht tanzen will. Wenn sie sogar aufspringt und zur Toilette eilt, bitte verfolge sie nicht oder fasse sie gar an der Schulter an und denke, vielleicht hat sie mich nicht gesehen. Falls sie Dich bemerkt, Augenkontakt hält, lächelt oder winkt oder allgemein erfreut wirkt, dass Du auf sie zugehst, dann frage sie auf alle Fälle. Wenn Du nicht sicher bist, gehe hinüber, sage hallo und bewerte aufgrund ihrer Reaktion, ob sie tanzen möchte. 

Du kannst Dich auch im Raum umschauen und versuchen zu erraten, welche Personen tanzen wollen. Wenn sie direkt in der Nähe des Parketts stehen oder sitzen und eifrig und sehnsüchtig den Tänzern nach- und sich umschauen, um die Aufmerksamkeit von möglichen Partnern zu erregen etc., dann sind sie sicher verfügbar. Wenn sie dasitzen und ihre Aufmerksamkeit auf ein Gegenüber gerichtet ist, sie in ein Gespräch vertieft sind, essen, einen Drink genießen und auch sonst an dem Ort, an dem sie gerade sind, sehr entspannt wirken, gehen sie nur mit Vorsicht auf sie zu. Versuchen Sie Augenkontakt herzustellen. Wenn sie wegschauen, hebe Dir Deine Einladung für später auf. Ja, das ist eine Möglichkeit beim Cabeceo. Wenn jemand mitten in einem angeregten Gespräch steckt, stehe nicht in Sichtweite herum, klopfe mit dem Fuß und warte auf einen Sekundenbruchteil einer Gesprächspause, um Deine Aufforderung einzuwerfen. Frage eine andere Person. 


12) Um Erlaubnis fragen 

Vielleicht halten manche dies für altmodisch, ich finde, es ist einfach nur nett. Wenn Du auf ein Paar zugehst, das liiert oder verheiratet ist und sie sitzen beieinander, ist es angebracht, um Erlaubnis zu fragen, wenn Du den jeweils anderen Teil des Paares zum Tanzen auffordern willst. Oft ist es der Mann, der den anderen Mann um Erlaubnis fragt, wenn er mit seiner Dame tanzen will. Hierbei geht es nicht darum, dass die Frau das Eigentum des Mannes ist oder dass die Frau die Erlaubnis des Mannes braucht. Es geht einfach nur um die höfliche Anerkennung des anderen Menschen am Tisch, wenn man den Begleiter „entführt“. Ich halte es für unhöflich, einen Teil eines Paares aufzufordern, ohne nicht mindestens „Hallo“, „Entschuldigung“ oder „Darf ich?“ zu sagen. Diese Regel findet natürlich nur Anwendung, wenn das Paar zusammensitzt. Und diese Regel gilt auch für Frauen, wenn sie mit dem Mann einer anderen Frau tanzen wollen. Meine Damen, wenn ein Herr dasteht und den Arm um eine Dame gelegt hat und Sie kommen und fragen ihn, stellen Sie sicher, dass Sie beide Personen grüßen. Ergreife den Mann nicht einfach und zerre ihn weg. Ja, das passiert und ja, das ist extrem unhöflich.


Bei vielen dieser Regeln erscheint es fast unnötig, sie zu erwähnen, aber Du würdest überrascht sein. Wann immer diese Regeln verletzt werden, geschieht es deshalb, weil ihr Ego die Oberhand gewinnt. Schließlich lieben wir alle Tangomusik und das Tanzen an sich und wir alle müssen lernen, auf der Milonga miteinander auszukommen. Sich anderer Personen bewusst zu sein, sensibel und harmonisch auf sie zu reagieren, darum geht es letzten Endes im Paartanz. Wende diese Fähigkeiten auf dem Parkett, aber auch darüber hinaus an.

Ney Melo
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Milonga con cortina


Auf den Milongas vor allem in Buenos Aires unterteilt man die Tänze in musikalische Einheiten, Tandas genannt. Bei den meisten DJ’s kann man sich auf eine feste Abfolge der Tandas einstellen: Tango - Tango - Vals - Tango - Tango - Milonga.

Die Tandas werden durch ein nicht tanzbares musikalisches Fragment beendet, die Cortina. 

Cortinas (Vorhänge) sind kurze Einspielungen von Nicht-Tangos, die - zwischen den Tandas platziert - dazu dienen, Übergange zu harmonisieren und die Tanzenden neu zu gruppieren. Sie verhindern, dass Tanzpaare zu lange aneinander kleben und fördern damit die bessere „Vermischung“ der Gäste. Aber auch auf Milongas, wo grundsätzlich wenig gewechselt wird, sind Cortinas inspirierend, weil sie die Tandas musikalisch trennen, quasi den Gehörgang reinigen, bevor Neues hereinfließt. Die Cortina ist wie das „Gurgelwasser bei der Weinprobe.“ 

In Buenos Aires ist es Brauch, dass man die Cortina dazu nutzt, um sich neu zum Tanz zu verabreden. Man schaut sich von weitem an, mit einem leichten Kopfnicken wird ein gemeinsames Einverständnis hergestellt. Der Mann bewegt sich in Richtung der Dame und man trifft sich auf der Tanzfläche. Dieser Brauch stammt noch aus der Epoche, als die Frauen von ihrer Mutter zur Tanzveranstaltung begleitet wurden, und die Männer sie daher aus der Ferne zum Tanzen auffordern mussten. Dieser Brauch setzte sich auch durch, um die mündlich ausgesprochene und wesentlich kompromittierendere Ablehnung einer Tanzaufforderung zu vermeiden. Viele Frauen widmen sich im Falle mangelnden Interesses sehr intensiv ihrer Handtasche oder schauen mit einem indifferenten Blick in den Salon. 

Im Allgemeinen tanzt man eine ganze Tanda mit der gleichen Person. Eine Tanda beinhaltet 3-4 Stücke des gleichen Orchesters, aus einer bestimmten Epoche und auf jeden Fall mit einer ähnlichen Stimmung. Somit können die Tanzenden für eine einschätzbare Zeit mit dem aktuell gewählten Partner tanzen. Warum? Nun, vielleicht tanzt Mann A besonders gerne mit Frau B zu Di Sarli und hat sie gerade erfolgreich aufgefordert. Er wird sehr enttäuscht sein, wenn nach einem einzigen Tango dieses Orchesters direkt ein Titel von D’Arienzo folgt, den er lieber mit Frau C getanzt hätte und den Frau B vielleicht gar nicht gerne mag, weil sie schnelle, rhythmische Stücke nicht leiden kann. Die absehbare Cortina kommt in dem Fall sehr gelegen.

Für Anregungen und Wünsche hat Euer DJ ein offenes Ohr.
Viel Vergnügen beim „Äugeln“ wünscht:

TJoerg